„Überwintern“ – Gedicht von Silvia Plath

Sylvia Plath (1932-1963) war eine amerikanische Schriftstellerin. Erste Arbeiten veröffentlichte Plath bereits zu Lebzeiten, der literarische Erfolg setzte aber erst postum nach ihrem Suizid mit der Veröffentlichung nachgelassener Gedichte ein.
Als Plaths Hauptwerk gilt ihre Lyrik, insbesondere der nachgelassene Lyrikband Ariel, dessen letzter Text „Überwintern“ heisst und häuslich-ländlichen Verrichtungen nachgeht, die in der unwirtlichen Jahreszeit das Überleben sichern. Selbst Imkerin, sind die Bienen bei Plaths vielgebrauchtes Sinnbild für die Wirrungen des Menschenlebens .
(Quellen: Wikipedia, FAZ)

Überwintern
Dies ist die ruhige Zeit, nichts tut sich.
Ich habe die Schleuder der Hebamme gewirbelt,
Ich habe meinen Honig,
Sechs Gläser voll,
Sechs Katzenaugen im Weinkeller.

Überwintern in einem fensterlosen Dunkel
Im Herzen des Hauses
Neben der ranzigen Marmelade des letzten Mieters
Und Flaschen voll leeren Geglitzers –
Sir So-undsos Gin.

Dies ist der Raum, in dem ich nie war.
Dies ist der Raum, in dem ich nie atmen könnte.
Hier ballt sich die Schwärze wie eine Fledermaus,
Lichtlos,
Nur der Taschenlampe schwaches

Chinesisches Gelb auf abstossenden Objekten –
Schwarze Verblödung. Verwesung.
Besitz.
Sie sind’s, die mich besitzen.
Weder unbarmherzig noch abgestumpft,

Nur unwissend.
Dies ist die Zeit des Durchhaltens der Bienen. Bienen –
So langsam, dass ich sie kaum erkenne.
In Reih und Glied wie Soldaten,
Hin zur Dose mit Sirup,

Der ihnen den Honig ersetzt, den ich nahm.
„Südzucker“ macht ihnen Beine,
Der veredelte Schnee.
Sie leben von Raffinade statt Blumen.
Sie nehmen es, wie es kommt. Die Kälte setzt ein.

Jetzt verknäueln sie sich zu einer Masse,
Schwarz –
Gesinnt gegen all das Weiss.
Das Lächeln des Schnees ist weiss.
Es breitet sich aus – ein meilenweiter Meissener-Porzellan-Leib,

In den sie, an warmen Tagen,
Nur ihre Toten tragen können.
Alle Bienen sind Frauen,
Die Dienstmägde und die grosse royale Dame.
Männer haben sie abgeschafft,

Die stumpfen, plumpen Stolperer, diese Tölpel.
Winter ist was für Frauen –
Die Frau, die still vor sich her strickt,
An der Wiege aus spanischer Walnuss,
Ihr Körper eine Steckzwiebel in der Kälte, zu dumpf, um zu denken.

Wird der Schwarm überleben, wird es den Gladiolen
Glücken, mit ihrem Feuer zu haushalten,
Um ein weiteres Jahr zu schaffen?
Wonach werden sie schmecken, die Schneerosen?
Die Bienen fliegen. Sie probieren den Frühling.

(Übertragung Alissa Walser)

sylviaplathdrawings15
Silvia Plath in 1957 und eine Zeichnung von ihr.

Ein Gedanke zu „„Überwintern“ – Gedicht von Silvia Plath“

  1. Das große Summen darf nicht verstummen!
    Ein kleines Gedicht zum Weltbienentag:

    DIE BIENE IN NOT

    Ohne das herrliche Insekt
    Wäre uns’re Welt nicht perfekt.
    Fleißig wirkt sie in Wald und Flur
    Für das Gedeihen der Natur.
    Der Flügelschlag nimmer müde,
    Eilt sie von Blüte zu Blüte.

    Wir genießen ihren Honig,
    Ihr Leben kümmert uns wenig.
    So kann bald nahen die Stunde,
    Da sie dreht die letzte Runde.

    Wer die Vielfalt der Arten will,
    Vermeidet den Chemie-Cocktail.
    Insekten brauchen Lebensraum,
    Lassen wir ihnen Gras und Baum.
    Auch Wirbellose sind es wert,
    Dass ihnen kein Leid widerfährt.

    Retten wir den heimischen Wald,
    Bewahren die Artenvielfalt.
    Kämpfen wir für Mutter Erde,
    Dass sie nicht zur Wüste werde.
    Das oberste Gebot der Zeit
    Muss heißen Nachhaltigkeit.
    Statt nur nach Profit zu streben,
    Im Einklang mit der Natur leben.

    Rainer Kirmse , Altenburg

    Herzliche Grüße aus Thüringen

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